All Blog Posts

Wenn Worte auf Abwege geraten: Sechs Sprachpannen aus unserem Kollegium

30.09.2026
  • Campus

 

An der Strothoff International School gehört der Wechsel zwischen Sprachen zum Alltag. Manchmal hilft er uns, andere Menschen besser zu verstehen. Manchmal landet Senf unter der Dusche.

 

Der 30. September ist der Internationale Tag des Übersetzens. An diesem Tag würdigen wir Übersetzerinnen und Übersetzer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie andere Sprachfachleute, die Verständigung über Sprachgrenzen hinweg ermöglichen. Ihre Arbeit erfordert Sorgfalt, Urteilsvermögen und ein Gespür für den Kontext. Wie die Geschichten aus unserem Kollegium zeigen, kann schon ein einziges falsch gewähltes oder falsch verstandenes Wort ein Gespräch in eine völlig unerwartete Richtung lenken.

 

Wir wünschen allen einen schönen Internationalen Tag des Übersetzens!

 

Der Plan für die Kasse

Miss Adela

 

Es war mein erster Einkauf allein in einem deutschen Supermarkt, und ich sprach so gut wie kein Deutsch. Zum Glück hatten meine Freunde mir einen Plan mitgegeben.

 

An der Kasse sollte ich „Mit Karte, bitte“ sagen. Falls die Kassiererin danach noch etwas sagte, sollte ich einfach mit „Nein“ antworten. Wahrscheinlich würde sie nur fragen, ob ich Bargeld abheben wollte.

 

Einfach.

 

Ich sagte meinen einstudierten Satz. Die Kassiererin sagte etwas auf Deutsch. Ich gab meine einstudierte Antwort.

 

„Nein.“

 

Sie sah mich verwirrt an. „Nein?“

 

„Nein!“, wiederholte ich, sicher, die Frage verstanden zu haben.

 

Ich bezahlte und ging hinaus. Ich dachte, ich hätte meine erste Begegnung mit einer deutschen Supermarktkasse gemeistert. Die Kassiererin schien weniger überzeugt.

 

Später erzählte ich meinen Freunden, wie gut alles gelaufen war. Als wir das Gespräch gemeinsam rekonstruierten, wurde klar, dass die Kassiererin mir gar keine Frage gestellt hatte. Sie hatte gesagt: „Schönes Wochenende!“

 

Ich hatte ein schönes Wochenende abgelehnt. Zweimal.

 

Die Sache mit den Kartoffeln

Miss Jameela

 

Ich war erst seit ein paar Monaten in Deutschland. Mein Deutsch war noch das, was ich selbst „Tarzan-Deutsch“ nannte: ein kleiner Wortschatz, viel Improvisation und die Hoffnung, dass der Zusammenhang den Rest erledigen würde.

 

Mein Mann hatte Freunde zum Grillen eingeladen. Einige kamen früher als erwartet, während der Kartoffelsalat noch kaum mehr als ein Plan war. Ich hatte nicht einmal die Kartoffeln geschält.

 

Eine unserer Gäste bot mir freundlicherweise ihre Hilfe an. Ich wusste genau, was sie tun sollte; ich musste nur die richtigen Worte finden.

 

Ich bat sie, die Kartoffeln zu schälen. Sie sah mich einen Moment an und brach dann in Lachen aus.

Gesagt hatte ich: „Bitte die Kartoffeln nackig machen.“

 

Nicht: „Bitte die Kartoffeln schälen.“

 

Sie verstand, was ich brauchte. Mein Deutsch hatte der Aufgabe nur einen einprägsameren Namen gegeben.

 

Ein Plan für den Balkon

Ms. Campbell

 

Meine Schwiegermutter aus Australien half mir gerade dabei, Blumen auf meinem Balkon zu pflanzen, als sie vorschlug, an einer Seite auch Salat anzubauen.

 

Gemüse hatte ich mir für den Balkon eigentlich nicht vorgestellt. Aber warum nicht? Ich sagte ihr, dass ich welchen kaufen würde.

 

Da sah sie mich zum ersten Mal verwundert an. Der zweite verwunderte Blick folgte mit den Samen.

 

Am nächsten Tag holte ich stolz ein Päckchen Salatsamen aus meiner Tasche und zeigte ihr meinen Einkauf. Sie betrachtete das Päckchen. Was immer sie erwartet hatte: Es war offensichtlich nichts, was ich in dieser Tasche hätte nach Hause tragen können. Schließlich zeigte sie mir ein Bild.

 

Darauf war ein Holzgerüst zu sehen, an dem Pflanzen emporranken konnten.

 

Ein Rankgitter. Lattice.

 

Ich sah auf meine Salatsamen. Lettuce.

 

Wir pflanzten sie trotzdem.

 

Das war nett gemeint

Dr. Snow

 

Ich weiß nicht mehr, worüber ich mich mit meiner deutschen Schwiegermutter unterhalten habe. Ich weiß aber noch, dass ich sie witzig fand und ihr das sagen wollte.

 

Ich rechnete mit einem Lachen. Stattdessen fragte sie, warum ich so etwas gesagt hätte.

 

Sie war gekränkt. Ich verstand nicht, wie ein Kompliment so schlecht ankommen konnte, bis sie das Wort wiederholte, das sie verstanden hatte.

 

„Lästig? Ich bin nicht lästig!“

 

Sie dachte, ich hätte sie lästig genannt.

 

Bei ihr war „Du bist sehr lästig“ angekommen. Ich hatte „Du bist sehr lustig“ sagen wollen.

 

Ein einziger Vokal hatte aus dem Kompliment eine Beleidigung gemacht.

 

Etwas für die Dusche

Mr. B

 

Bei dm konnte ich die Stückseife nicht finden. Also fragte ich eine Mitarbeiterin, wo sie stand.

Sie sah mich seltsam an und schüttelte den Kopf.

 

Ich dachte, ich hätte nach Seife gefragt. Ihr Gesichtsausdruck ließ etwas anderes vermuten.

 

Vielleicht hatte sie meine Aussprache nicht verstanden. Ich rieb mir die Hände, dann das Gesicht. Ich erklärte, dass ich die Seife für die Dusche brauchte, und mimte sogar, wie ich mich unter den Armen wusch.

 

Sie ging weg. Die Seife fand ich schließlich selbst.

 

Zu Hause erzählte ich meiner Frau von dem rätselhaften Gespräch. Sie fragte, was ich auf Deutsch tatsächlich gesagt hatte.

 

„Haben Sie Senf?“, antwortete ich. „Senf für die Dusche?“

 

Ich hatte nach Senf gefragt. Senf für die Dusche.

 

Und dazu hatte ich der Mitarbeiterin noch eine Vorführung geliefert.

 

Eine sehr ausführliche Antwort

Ms. Susanne

 

Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Lehrerin im Libanon saßen mir etwa fünf Personen gegenüber. Mein Arabisch war noch begrenzt, und die Nervosität half nicht gerade.

 

Dann kam eine Frage, die ich verstand: War ich gut im Sport?

 

Früher war ich das. Ich erzählte davon und erklärte dann, warum ich in den vergangenen Jahren kaum Gelegenheit gehabt hatte, Sport zu treiben. Weil ich eine ordentliche Antwort geben wollte, redete ich weiter.

 

Ich erklärte mich noch immer, als die gesamte Auswahlkommission zu lachen begann.

 

Mir wurde heiß. Hatte ich zu viel erzählt? Die Person, die das Gespräch leitete, lächelte und wiederholte die Frage.

 

„Nicht riyada – Sport. Riyadiyat – Mathematik.“

 

Ich hatte eine ausführliche Antwort auf eine Frage gegeben, die mir niemand gestellt hatte.

 

Die Stelle bekam ich trotzdem.