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Interview mit Lehrerin Susanne Wengenmeier: „Phorms ist für mich wie eine Familie!"

07.10.2025
  • 20 Jahre

Was passiert, wenn man mit 25 Jahren den Sprung über den Atlantik wagt, um Teil eines Schulprojekts zu werden, das noch ganz am Anfang steht? Für Susanne Wengenmeier war das der Beginn einer besonderen Reise – geprägt von Pioniergeist, Engagement und der Vision, Schule neu zu denken. Im Interview blickt sie zurück auf zwei Jahrzehnte als Lehrerin bei Phorms.

Seit wann bist du bei Phorms?

Ich habe 2006 angefangen. Damals herrschte bei Phorms noch echte Startup-Mentalität. Ich war 25 Jahre alt, kam frisch von der Uni und war auf der Suche nach einem Job als Lehrerin an einer internationalen Schule. Als die Zusage kam, bin ich kurzerhand von Kanada nach Berlin gezogen. Ursprünglich wollte ich ein Jahr bleiben – inzwischen sind daraus fast 20 geworden.
 

Du bist also sprichwörtlich mit Phorms „erwachsen“ geworden …

Kann man so sagen. Wir haben klein angefangen: mit rund 12 Kolleginnen und Kollegen und 42 Kindern. Im Gebäude gab es weder Böden noch Stühle, keine Bilder an den Wänden, keinen Kopierer – nichts. Ich bin erst mal in die Bibliothek gefahren und habe Bücher besorgt. Das war schon abenteuerlich. Alle haben mit angepackt, auch die Eltern. Der Spirit war: Wir bauen hier etwas Großartiges auf! Alle waren begeistert vom Konzept. Wir wollten Schule neu denken.


Was würdest du sagen: Ist das gelungen? 

Absolut. Wir haben unsere ursprüngliche Vision nie aus den Augen verloren, auch wenn wir seitdem enorm gewachsen sind: Bei uns steht nicht nur der Lehrplan im Fokus, sondern das ganze Kind. Wir denken Bildung ganzheitlich. Empathie, Mitgefühl und offene Kommunikation sind mindestens genauso wichtig wie Noten. Das soziale Miteinander liegt uns am Herzen. Das fängt bei kleinen Klassen an, in denen wir auf alle Kinder individuell eingehen können. Unsere Lehrkräfte sind unheimlich engagiert. We care!
 

Wolltest du schon immer gerne mit Kindern arbeiten? 

Ich liebe Kinder. Besonders Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren. Diese Phase ist unheimlich spannend. Einerseits sind die Schülerinnen und Schüler noch so kindlich – manchmal lesen wir Bilderbücher, und alle lauschen gebannt. Andererseits sind sie schon kleine Erwachsene, die über Partys sprechen.
 

Was bedeutet gute Bildung für dich persönlich?

Gute Bildung bedeutet für mich vor allem, die Leidenschaft fürs Lernen zu wecken – dass Kinder neugierig sind, mehr wissen wollen und Fragen stellen. Bildung ist mehr als nur der Lehrplan; sie umfasst auch das Soziale, das Miteinander. Empathie und Mitgefühl sind am Ende des Tages das, was wirklich zählt.
 

Gibt es abgesehen davon zentrale Werte, die du den Schülerinnen und Schülern mitgeben möchtest?

Gerade in unserer zunehmend digitalisierten Welt finde ich es wichtig, dass wir so viel persönlichen Kontakt wie möglich haben und uns Face-to-Face austauschen. Höflichkeit und Respekt sind für mich zentral. In meiner Klasse haben wir einen Spruch: Being kind is better than being right. Immer wenn es mal hakt oder Streit gibt, erinnern sich die Kinder daran. Oft will man recht haben. Aber am Ende ist es viel wichtiger, freundlich und mitfühlend zu sein. 
 

Gibt es einen Moment in deiner Laufbahn als Lehrkraft, an den du dich besonders gerne erinnerst?

Es gibt nicht den einen besonderen Moment, sondern eher viele kleine. Häufig erinnern sich die Kinder Jahre später, wenn sie ihr Abitur machen, an bestimmte Erlebnisse. Sie sagen zum Beispiel: „Das war das erste Mal, dass mir Mathe Spaß gemacht hat.“ Ich staune immer wieder, wie groß unser Einfluss auf junge Menschen dann doch ist. Darüber freue ich mich riesig. In solchen Momenten merke ich, wie sinnvoll mein Job ist.
 

Was motiviert dich noch, jeden Tag dein Bestes zu geben?

Ich habe ein tolles Team, in dem wir uns gegenseitig unterstützen. Als ich selbst angefangen habe, habe ich mich an erfahrenen Lehrkräften orientiert – heute orientieren sich Jüngere an mir. Es ist schön, meine Erfahrung weitergeben zu können. 

Was wünschst du dir für die Zukunft deiner Schule und der Kinder?

Das Schulsystem braucht dringend große Veränderungen. Vieles ist noch viel zu altmodisch und starr. Reformen müssen her. Für die Kinder wünsche ich mir, dass sie unbeirrt ihren Weg gehen, ausgestattet mit allem, was uns bei Phorms wichtig ist: Neugier, Selbstvertrauen, Empathie und die Fähigkeit, kritisch zu denken. Sie sollen lernen, Herausforderungen mutig anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

Danke für das Gespräch, liebe Susanne!